grabesstille, im winter

Fast 50 Jahre lang war George Balanchine eine Art Leuchtturm. Werk und Wirkung sind heute nicht mehr im Einklang, findet Gerhard Brunner.

Knapp 30 Jahre hat es von der Idee, das Grab George Balanchines aufzusuchen, bis zu ihrer Verwirklichung gedauert. Immer wieder fand sich ein Grund, die gute Absicht weiter hinauszuschieben. In der Regel war die Zeit zu knapp, um bei einem Kurzbesuch im Big Apple gleich einen ganzen Tag für diesen Ausflug nach Long Island preiszugeben. Die Jahre gingen dahin, und der Grabbesuch rückte in immer weitere Ferne.

So einfach ist es auch gar nicht, dahin zu kommen.

Wer von Manhattan anreist, braucht zunächst eine knappe Stunde bis zur Station Jamaica, wo man – im Winter sporadisch – Anschluss findet an die Long Island Rail Road. Off season fährt kaum jemand freiwillig nach Long Island, und die geheime Hoffnung, der Grabbesuch könnte sich vielleicht mit einem Spaziergang am Atlantik verbinden lassen, ist pure Ignoranz.

Von Jamaica zuckeln wir durch die Hinterhöfe von Queens bis nach Hicksville. Danach wird die Landschaft anziehender, aber die gerühmte Schönheit Long Islands bleibt bestenfalls Ahnung, zumal Hurrikan «Sandy» – neben anderen Verwüstungen – 230 000 beschädigte, in Reih und Glied geordnete Autos zurückgelassen hat. Long Island ist eine große Deponie. Erst im letzten Drittel der ...

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Tanz April 2013
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Gerhard Brunner

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