Gisèle Vienne «Extra Life»

Gent on tour

Tanz - Logo

Zwei Geschwister im Auto. Die beiden waren auf einer Party, im Anschluss sind sie losgefahren und irgendwo an einem Nicht-Ort stehengeblieben. Ein dunkler Parkplatz, Vögel zwitschern ungeduldig, bald dämmert es. Das Paar kichert, Chips werden gefuttert, Bier getrunken, wahrscheinlich sind auch Drogen im Spiel. Und die beiden erzählen, vertraut, distanziert, abgeklärt: von einer Missbrauchserfahrung, die sie als Kinder machten. Abgründe scheinen auf, nur notdürftig überdeckt von der Albernheit und der Unkonzentriertheit der zugedröhnten, übermüdeten Protagonist*innen.

Gisèle Viennes «Extra Life», uraufgeführt bei der «Ruhrtriennale» in Essen, dann beim «Internationalen Sommerfestival» in Hamburg und jetzt auf Tour durch Europa, beginnt als minimalistisches Sprechtheater: Menschen sitzen im Auto, sind nur schemenhaft zu sehen und diskutieren. Aber so einfach ist es bei Vienne nicht, ihre Arbeiten greifen aus in benachbarte Kunstgattungen, sind Objekt- und Puppentheater (auch diesmal sitzt eine lebensgroße Puppe beunruhigend auf der Rückbank). Die Diagonalen, die die Autoscheinwerfer in den Raum werfen, deuten darauf hin, dass der choreografische Blick der Künstlerin so wichtig ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2023
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Termine 10/23

Albanien
Tirana National Theatre of Opera and Ballet
  «Tirana International Contemporary Dance Festival». Bis 20. Okt:: «Sonoma», Reise zwischen Schlaf und Fiktion von Choreograf Marcos Morau, La Veronal (tanz 4/21). 5., 6. Okt. «Stravaganza in sol minore», Choreografie von Francesca Lattuada für Aterballetto. 12., 13. Okt. Premiere «The Dawn of Time», Neukreation...

Chris Jäger «Daddy Shot My Rabbit»

Am Ende fließt Kunstblut und es fallen Schüsse, aber die Tänzerin mit den süßen, weißen, puscheligen Hasenohren überlebt, genau wie die anderen dieser seltsamen Gemeinschaft, die vielleicht eine Familie ist – Großmutter, Mutter, zwei Kinder. Vielleicht aber auch nicht. Sie scheinen miteinander verbunden, ergehen sich in waghalsig akrobatischen Hebe- und...

Summer performance

Die diesjährigen 24 Absolventinnen und Absolventen der Londoner Royal Ballet School stehen bereits allesamt bei professionellen Kompanien international unter Vertrag. Das spricht nicht nur für ein reges Interesse am Nachwuchs aus der britischen Talentschmiede, sondern ebenso für ausnehmend hohe Qualität.

Die stellten die technisch versierten Tänzerinnen Taeryeong...