tanzen ist zwecklos

Gilles Welinski hatte bei Pina Bausch ein «universelles, kopernikanisches Erlebnis». Jetzt bei «Tanz Bremen» tritt er auf als Spurensucher und Augenöffner

Im Sport war er stets der Intellektuelle, unter Intellektuellen immer der Sportler. Unter Tänzern gilt Gilles Welinski als Philosoph, der sich auf jene «Technik des Körpers» bezieht, die der Anthropologe Marcel Mauss als die Art und Weise beschrieb, wie der Mensch sich seiner selbst bedient. Mit dem Spürsinn des Archäologen gräbt Welinski nach einem verlorenen Gedächtnis. Er sucht das Unwillkürliche im Gewohnten, will Unwiederholbares wiederholen – wie paradox ist das alles! Er weigert sich strikt, sich selbst zu zitieren und vorzuführen, was er alles kann.

Die Kunst, sich zu beschränken, zu definieren, zu kodifizieren, blüht für ihn in der Lücke zwischen façon de faire, der Machart, und ­façon d‘être, der Art zu sein.

 

«Tanz», sagt Gilles Welinski, «ist eine zwecklose Technik, eine Kunst ohne Objekt oder Gegenstand. Es gibt keinerlei ersichtlichen Grund zu tanzen, keinen Grund, dies statt das zu machen.» Dabei spricht er nicht von der rituellen oder sozialen Funktion des Tanzes (wie Mauss, der den Körper als Schnittstelle zwischen Individuum, Gemeinschaft, Technik und Kultur verortet). Die Herausforderung besteht für den 1964 in der Pariser Banlieue Geborenen darin, aus dieser ...

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Tanz April 2010
Rubrik: menschen, Seite 26
von Irene Sieben

Vergriffen