Nathalie Pernette

Nathalie Pernette mag Jahrmärkte und dämmrige Zirkuszelte. Ihre Spektakel entführen in den Märchenwald der kindlichen Fantasien und Albtraumängste. Wer sich denen nicht stellt, ganz ohne Hochmut und Sicherheitskordon, dem entgeht im Leben das Beste: es zu fühlen. Wie sie uns mit Tieren eine Brücke baut, hat sie Katja Werner erzählt

Wie kam das Tier zur Kunst? Durch die Hintertür. Als ich in Paris als Tänzerin anfing, hat mich meine siamesische Katze zum Training begleitet. Immer wenn ich mich zum Aufwärmen auf den Boden legte, hat sie sich reflexartig auf meinen Bauch gelegt. Siamesen sind Diven, sie fordern Aufmerksamkeit. Vielleicht wollte sie aber nur «mitmachen». Jedenfalls fand ich es interessant, wie sie sich in dem Raum bewegte, den ich als Theater zu sehen gewöhnt war. Eigentlich war sie ganz sie selbst, nur ich sah sie anders. Damals habe ich noch nicht konkret daran gedacht, mit Tieren zu arbeiten.

Wo wäre auch der Mehrwert jenseits von Dressurschau- stückchen? Den Ausschlag dafür hat ein anderes «tierisches» Erlebnis gegeben: In einem Theaterstück, das ich mir ansah, war ein Huhn auf der Bühne. Es zog alle Blicke auf sich. Die Schauspieler hatten keine Chance gegen das, na ja, dumme, nicht besonders hübsche Vieh. Ein Huhn halt, es denkt sich nichts, läuft hin und her, gackert, aber seine Natürlichkeit ist absolut fesselnd. Die Frage nach der Mischung von «Natürlichem» und «Künstlichem» auf der Bühne hat mich danach nicht mehr losgelassen. Lässt sich diese Art von Beziehung – zwischen einem ...

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Tanz Februar 2008
Rubrik: Gespräch, Seite 56
von Katja Werner

Vergriffen