Geschichten über die Geschichte
«Rote Schuhe für den Sterbenden Schwan». Was ist damit gemeint? Ralf Stabel, Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, nennt es im Untertitel seines bei Henschel erschienenen Buches: eine Tanzgeschichte in Geschichten. Er suggeriert Unterhaltung, lebendige Vermittlung von trockener Historie. Anschaulich schreiben kann er. Bisweilen wird er sogar witzig, erhalten seine Zusammenfassungen von Handlungen romantisch-klassischer Ballette mit eingeschobenen Kommentaren eine feine kabarettistische Note.
Stabel wagt eine Tour d’Horizon, spannt seine Geschichte(n) von den Totentänzen des Mittelalters bis zum Konzepttanz der Gegenwart. Dabei versucht er durch die Hintertür grundlegende Überlegungen zur Ästhetik einzuflechten, zu den Komponenten eines Tanzwerks, zu Produktions- und Rezeptionsbedingungen, zum sozialen Stand des Tänzerberufs. So ließe sich durchaus eine Tanzgeschichte für eine breite Leserschaft aufziehen. Doch dafür hat Stabel das Netz seiner Episoden nicht engmaschig genug gesponnen, fällt zu viel unter den Tisch. Er breitet zudem seine durch frühere Veröffentlichungen hinreichend belegten Spezialkenntnisse unverhältnismäßig aus, nämlich zum Ausdruckstanz um Gret Palucca ...
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Das Opfer sperrt und wehrt sich gegen die Angriffe. Keine Chance. Behende klebt der Verfolger Zeitungsblätter auf den Körper. Immer mehr gedruckter Dreck bleibt an ihm haften – bis er unter der Papierlast der Lügen kollabiert. Ein zweifellos plakatives Bild in Eva-Maria Lerchenberg-Thönys «Macbeth». Es bedarf keines blutigen Schlachtens, um Gegner zu erledigen. Die...
Es gibt 128 Automarken auf der Welt und ungefähr gleich viele Tanzkompanien in Deutschland. Die Zahl lässt sich bequem kürzen auf die erfolgreichen Marken oder auch ausweiten, wenn man die Eigenbauten mitzählt. «Das Auto» aber oder «der Tanz» – als Marke –, so etwas gibt es nur bei VW, seit dessen Marketingabteilung zeigen wollte, wer die wirkliche Macht am Markt...
So viel Stuttgart wie beim «Strawinsky-Projekt III» war selten auf Sachsens Bühne. «Le sacre du printemps» von Glen Tetley wird im Stuttgarter Bühnenbild aufgeführt, mit einem grandiosen Alexander Zaitsev als Anführer des Himmelfahrtskommandos. Bridget Breiner tanzt aller Wahrscheinlichkeit nach wieder die Novizin in «The Cage» und macht einem als «Giselle» des...
