Wie antik ist die Klassik?

Über den Kampf des Tanzes um Anerkennung durch Kirche und Theater berichtet Arnd Wesemann anhand des neuen Buchs «Beredte Körper – bewegte Seelen»

Eines Tages, so geht die Legende, erwachte der volkstümliche Mensch des Mittelalters aus seiner Bevormundung durch Gott und die Kirchenväter, indem er sich, angeleitet durch kluge Mönche, das Lesen und Schreiben beibrachte.

Was dieser Mensch an unzähligen Feiertagen bei der Lektüre entdeckte, während Kriegswirren rundherum und die Entleerung der Landschaft durch Epidemien sein Misstrauen zusätzlich schürten, hat ihn schier umgehauen: Es gab vor langer Zeit und im fernen Süden tatsächlich Völker, die nicht an den einen Gott glaubten, die sich ihre Zeit arkadisch mit den Künsten vertrieben, und die, falls sich ihre Geldschatulle zu leeren drohte, ein paar Provinzen ausbeuteten. Auf deren Trümmern war die römisch-katholische Kirche errichtet worden. Und auf diesen Trümmern thronte nun der große Gegenspieler der Welt, der Papst: auf einer untergegangenen Kultur, von der es hieß, sie sei des Teufels, weil sie verantwortlich war für den Mord an Jesus Christus. Dass der Papst in Rom sozusagen als Rächer auf einer Kultur saß, die die Christen in die Katakomben getrieben hatte, gab ihm das Recht zu behaupten: «Nie wieder solle ein Mensch so leben dürfen, dass er der Ordnung der Christenheit widerspräche.»  ...

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Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Thema, Seite 88
von Arnd Wesemann

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