gent: Lisbeth Gruwez: «It's going to get worse and worse and worse ...»

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Die Hände! Sie sind der halbe Mensch hier. Zu Beginn hängen sie an den Armen in der weißen Bluse herab. Dazu dunkelgraue Hose, schwarze Lackschuhe, ein schmales Gesicht, eiserne Miene unterm Haar. Gegenlicht meißelt die dünne Figur machtvoll in den Raum. Sie tritt nach vorn, auf dem grauen Teppichrechteck, das ihr Feld ist, checkt das Publikum. Jetzt kommt die Hand. Dreißig Zentimeter vorm Körper streicht sie waagerecht. Noch einmal. Sorgfältig. Sie glättet etwas. Die andere Hand streicht, schließlich beide. Sie sind so groß. Sie reden. Wiederholen.

Reden über etwas, was zwischen diesem Menschen und dem Publikum ist. Sie beschwichtigen, sie beschwören. Sie sind nicht harmlos.

Lisbeth Gruwez studierte Ballett, tanzte bei Ultima Vez, Needcompany, Arco Renz und einige Jahre bei Jan Fabre. Sie war die Dame in Öl in seinem «Quando l’uomo principale è una donna». Einen uomo principale macht sie hier auch, diesmal selbstbestimmt. Sie sieht sich Gesten von Reden des ultrakonservativen amerikanischen Fernsehpredigers Jimmy Swaggart an. Wortlos. Führt präzise Kurven in die Luft und die Linie über die Körpermitte wie eine Eins, «I», ich. Die Unterarme kreuzen brav, beide Hände stellen sich  ...

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Tanz März 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Melanie Suchy

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