der ersatzreisepass

Jürgen Nass inszenierte schon Shows am Berliner Friedrichstadtpalast, als die DDR den Tanz noch zum Augenwischen brauchte.

Dass Sie Tänzer waren, jahrelang an der Deutschen Staatsoper im damaligen Ostteil Berlins, ist bekannt. Sie waren so etwas wie ein Kinderstar. Auf eigenen Wunsch? Oder auf Druck der Eltern?
Weder noch. Die Zeiten waren damals anders und die Eltern froh, wenn sie ihre Kinder nicht auf der Straße ­wuss­ten. Alles war zerbombt. Riesengroße Bunker standen überall: Das waren unsere Spielplätze. Als typisches Berliner Nachkriegskind bin ich in Treptow aufgewachsen; die Johannisthaler Ecke war mein Kiez.

West-Berlin war leicht erreichbar, und dort gab es alles zu holen, was man als Kind so haben wollte: ­Wasserpistolen, Knaller. Also alles, was im Osten verboten war. Wir Jungs haben in den Ruinenkellern heimlich Kupfer und Messing abgeknapst – und per Boot in den Westen ­geschafft. Der Kanal hatte dort einen Winkel, da konnten uns die Vopos nicht sehen.

Das erklärt noch nicht Ihre Karriere.
In der Nähe meiner Schule befanden sich alte Synchronstudios, in denen später die DEFA eine Bleibe fand. Talentscouts, wie wir heute sagen würden, schwärmten aus, um Stimmen zu tes­ten. So kam es, dass ich gemeinsam mit Gregor Gysi Kinderfilme synchronisierte. Gysi war noch besser als ich, er hatte ...

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Tanz November 2011
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Hartmut Regitz