Freiburg: Antonia Baehr «Exit»

Antonia Baehr ist ein Schelm. In ihrer neuen Arbeit, die am Frankfurter Mousonturm Premiere feierte, gibt die Berliner Choreografin vor, eine Lecture Performance über Notausgangslichter, Theaterbrände und Panik zu halten. Aber nur, um die große Kunst des Lächerlichen zu entfalten, die auch ohne Feuer Panik verbreiten kann. In breitem Globish heißt Baehr ihr Publikum willkommen, um mit ihm, wie sie sagt, «the unconscious of the theatre» zu behandeln. Sie deutet auf die mit dem Wort «Exit» markierten Notfallleuchten, die ihrem Solo das einzige Licht spenden.

 

So dauert es ein paar Minuten, bis sich die Augen ans  Dunkel gewöhnen und auf der Bühne, hinter einem Pult, den nackten Körper von Baehr verorten. Baehr spricht Texte, die sie, ähnlich wie in früheren Arbeiten, etwa «Abecedarium Bestiarium» (tanz 8/13), von Freundinnen und Freunden erhalten hat. Sie referiert, dass die bekannten grünen Exit Lights mit dem weißen Männchen, das zur Tür hinaussprintet, in den 1970er-Jahren vom japanischen Designer Yukio Ota entworfen wurden, hundert Jahre nachdem in den 1880er-Jahren mehr als zweihundert Theater wegen mangelnder Sicherheit in Flammen aufgingen – notorische Berühmtheit erlangte ...

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Tanz Mai 2018
Rubrik: Kritik 5/18, Seite 42
von Georg Döcker

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