Archäologie-Metapher

«mnemonic nonstop» von Jochen Roller und Martin Nachbar. Es waren die Situationisten in den 1950er Jahren, die auf die Idee kamen, dass die Anlage einer Stadt, ihre Geografie, Straßen und Versorgungslinien, der Anatomie eines Körpers gleicht. Die beiden Choreografen Martin Nachbar und Jochen Roller wollen diese Anatomie in fünf Städten – Berlin, Tel Aviv, Brüssel, Zagreb und Graz – nun nachzeichnen: als eine Schichtung der Gleichzeitigkeit, der simultanen Bewegung, als eine Psychogeografie der Stadt

Die Grabeskirche in Jerusalem. Wir orientieren uns mithilfe einer ­Karte aus dem Reiseführer «Heiliges Land». Die Karte zeigt alle Glaubensrichtungen, von koptisch über armenisch bis hin zu orthodox und lateinisch, mit unterschiedlichen Farben. Das Kirchengebäude ist bunt, es sind mehrere Kirchen in einem. Auf der Felskuppe Golgatha gebaut, wurde es Zeit seiner Existenz ­immer weiter ausgebaut. Kleinere Kapellen wurden umbaut von größeren Kirchen. Jetzt stehen die kleinen in einem Innenraum der Großen.

Weitere Gebäude wurden an-, Säle eingebaut und neue Geschosse eingezogen, zum Beispiel ein Mezzanin für den Kreuzigungsort Jesu, sodass sich heute die Felskuppe ­unter einer Glasplatte in der Kapelle auf dieser Zwischenetage befindet. Wenn man möchte, kann man seine Hand durch ein Loch im Glas stecken und den Fels berühren. Geht man von diesem Mezzanin wieder ins Erdgeschoss und um den zentral gelagerten orthodoxen Teil herum, passiert man mehrere Kapellen aller Glaubensrichtungen, bis man treppabwärts zunächst zur armenischen Kirche und dann, noch ein Stockwerk tiefer, in eine katholische Marienkapelle kommt. Das Grab Jesu wiederum befindet sich treppauf auf der anderen Seite vor ...

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Tanz August/September 2005
Rubrik: Forgotten Memories, Seite 38
von Martin Nachbar

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