Foofwa d’Imobilité

Wer ihn nur als Hofnarr des Tanzes betrachtet oder als barockes Relikt purer Tanzlust, ist dem amüsanten Schweizer schon auf den Leim gegangen. Mit Vergnügen stellt er den Sockel auf die Klassik und geht baden.

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Die bunt bemalte Holzskulptur, die von ihrem hohen Sockel auf die Passanten auf dem kleinen Platz in der Altstadt von Neuchâtel herabblickt, hat Gesellschaft bekommen. Ein halb nackter Mann ist nach oben geklettert, um sie «zum Leben zu erwecken». Nur mit goldfarbenen Shorts bekleidet, wackelt er mit seinem Hintern und lässt lasziv die Hüften kreisen. Er imitiert die Bewegungsmuster eines Go-go-Boys, stellt sie regelrecht aus und spricht dabei hochphilosophische Texte über den Status des Tänzers, der Subjekt und Objekt zugleich ist.

Jede Silbe wird untermalt von einer kleinen Bewegung – mit durchaus bewusst kalkuliertem komischem Effekt. Der Tänzer könne sich selbst anfassen und selbst beobachten, sagt er und schlägt sich dabei auf den Oberschenkel. Er könne aber auch das Publikum ins Visier nehmen, das wiederum seinen Körper mit seinen Augen abtasten kann. So werde sich der Tänzer seiner Objekthaftigkeit bewusst. Er sei ein erotisches Objekt der Begierde, aber leider, so fügt er resigniert hinzu, ein schlecht bezahltes. «Lieux designés» heißt das Stück, das der Schweizer Tänzer und Choreograf Foofwa d’Imobilité im Rahmen des Tanzfestivals Scène ouverte an diesem sonnigen ...

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Tanz Oktober 2006
Rubrik: Portrait, Seite 58
von Gerald Siegmund

Vergriffen
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