schwelle 7

heißt das Berliner Studio, das der Choreograf und Tänzer Felix Ruckert zu einem magischen Ort gemacht hat: ein Platz für körperliche Experimente jenseits der Scham

Felix Ruckert, vor 15 Jahren präsentierten Sie Ihre erste ­interaktive Performance.

Ja, 1995 war das «Hautnah», ursprünglich ein «Ein-Tänzer-tanzt-für-einen-Zu­schauer»-Stück. Aber durch die ­räumliche Nähe und die Intimität der Situa­tion entwickelte sich die Interaktion von ganz allein und ging oft vom Zuschauer aus. In weiteren Fassungen von «Hautnah» habe ich das aufgegriffen und bewusst Situationen in die Soli eingebaut, die zur Interaktion einluden, zum Teil gab es schon direkten Körperkontakt.

Das war damals neu und aufregend und hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Einerseits über die Funktion des Tanzes in der Gesellschaft, die Sehnsucht nach dieser so primär körperlichen Ausdrucksform und den Wunsch nach authentischer Kommunikation. Andererseits beleuchtete es auch die Rolle des Tänzers als Projektionsfläche für ungelebte Körperlichkeit, als Objekt der Begierde, immer mit dem leichten Ruch des Unseriösen oder Animalischen. Es entstand eine Beziehung aus Faszination und Abscheu, die sich auch gesellschaftlich in der sozialen Stellung der Tänzer am unteren Ende der künstlerischen Hierarchie ausdrückt. Ich hatte das Gefühl, in ein Wespennest gestochen zu haben; es gab sehr ...

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Tanz April 2010
Rubrik: ideen, Seite 62
von Klaus Kieser

Vergriffen