Fabienne Berger mit «Elle(s)»
«Elle(s)» steht ohne Zweifel im Plural: Das neueste Werk von Fabienne Berger ist Frauenbildern gewidmet. Portraits, die langsam ihre überlebensgroßen Münder zu einem Lachen öffnen. Frauen als kleine, auf die dunkle Rückwand projizierte Silhouetten. Sie werden beobachtet, halbwegs imitiert und so von der Interpretin auf der Bühne als virtuelle Mitspielerinnen empfangen. Fabienne Berger ist allein. Das ist wohl der Grund für die Klammern im Titel: Dreizehn Jahre nach ihrem letzten Alleingang tritt sie erneut solo auf.
Das Stück oszilliert zwischen Einzahl (die Interpretin) und Vielzahl (die hervorgerufenen Bilder). Fabienne Berger entledigt sich jeglichen Hange zur Selbstdarstellung, schlägt einen eigenbrötlerischen Weg ein, sieht dem Publikum in die Augen, verschmitzt, auch ernst. Man denkt dabei an Dominique Dupuy, der in einem Text eine Parallele zwischen der Figur des Solotänzers und derjenigen des genuinen Clowns zog, ein Clown, der der ehrlichen Schmuck- und Mittellosigkeit mehr als der Darstellung virtuoser Kunststücke zugeneigt ist. Dieser Clown, so Dupuy, ruft in der leeren Arena das Intime ins Leben. Er hat keine Angst umzufallen, keine Angst zu sterben, um zu sich selbst zu ...
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Knarzende Türen, leiernde Tonbandaufnahmen, der umgekippte Kopf einer Götterstatue und düstere Schattenspiele: Beginnt so ein klassisches Ballett, noch eins nach Marius Petipas berühmter «Bayadère»? Es liegt nah in diesem wehen Anfang von Terence Kohlers «Die Tempeltänzerin», den Verweis auf eine rostige Vergangenheit zu sehen. Zudem Cineastisches in der Luft...
Die spartenübergreifende Arbeit am Theater ist mal wieder in aller Munde:
1. Weil erfolgreiche Kollegen nach langen Jahren ihre Verträge aufkündigen, da ein neuer Intendant Einsätze des Ballettensembles in Musical und Operette verlangt, oder 2. Weil immer noch manche Intendanten argumentieren, der Tanz würde die Operette zu seiner Rechtfertigung brauchen.
Letzteres...
Im Gartencafé. Mir gegenüber am Tisch sehe ich Rippen, tote Knochen. Der arme Gartenstuhl mit ausgebleichten Holzlatten, ein Gerüst, das weiter unten praktisch und fast anmutig seine Beine kreuzt. Der Platz gegenüber ist leer. «Der Tod ist mitten unter uns», fällt mir unwillkürlich ein, ein Satz, unscharf wie der ganze Begriff vom «Totentanz». Mit den Jahrhunderten...
