Rachid Ouramdane: «Exposition universelle»

Es ist eine alte Frage: Soll man vor der Vorstellung den Programmzettel lesen oder unbefangen an das Werk herangehen? In der Regel gilt Letzteres, doch es gibt Ausnahmen. Rachid Ouramdane wollte beim «Festival d'Avignon» klare Verhältnisse schaffen und ließ die Gebrauchsanweisung für «Exposition universelle» hinterher verteilen. Das war richtig. Sonst hätte das Publikum wohl mehr Zeit darauf verwendet, die komplexen Erläuterungen zu lesen, als auf den Versuch geschaut, die Körperbilder zu entschlüsseln.

Aber es schuf auch ein Problem, denn diese «Weltausstellung» ist tatsächlich eine Art Abfolge von Exponaten, die sich nicht von selbst entschlüsseln.

Ouramdane macht keine Tanzstücke, sondern, wie er selbst definiert, «Collagen» aus Objekten, Körpern, Bildern, Licht und Ton. Wenn er hier plötzlich eine Stepptanz-Nummer hinlegt, dann bemängeln manche Zuschauer, er sei nun mal kein Fred Astaire. Klar ist aber auch, dass Ouramdane seine Bezugspunkte auf ganz anderen Ebenen setzt. Nur wo? In seinen letzten Produktionen ging es immer um intime Erfahrungen von Gewalt im weltpolitischen Spannungsfeld, dargestellt etwa an Interviews persönlich Betroffener. In «Exposition universelle» ...

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Tanz November 2011
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn