springt

wenn ihr nicht fallen wollt. Überall scheint die Kultur in der Defensive. Schon organisieren sich Künstler in kleinen, schützenden Netzwerken. Sie könnten aber auch beim großen Fressen mitmachen. Falls die EU demnächst 1,8 Milliarden Euro lockermacht

Der Euro fällt nicht, er springt. Andernfalls bräuchte er keinen Rettungsschirm. Geld wird auch nicht einfach zum Fenster rausgeworfen. Eher gehen die Preise selbst in den Keller, um nachzusehen, welche Sicherung da wieder rausgeflogen ist. Solche Dinge bewegen sich wie von selbst. Ihr Verhalten ist eigenwillig. Nur die Sprache ist es nicht. Sie glaubt noch immer strikt an die Passivität aller Objekte: Ein Baum wird gefällt, eine Straße wird gesperrt, ein Haushalt wird gesprengt – weil sie sich ja nicht von selbst fällen, sperren oder sprengen können. Können sie aber doch.

Längst sind wir umzingelt von Zeug, das selbstständig und von sich aus auf die Welt reagiert: die Wirtschaft, die öffentliche Meinung, die Sachzwänge, Dinge, die sich mit einer kaum durchschaubaren Dynamik zu sehr komplexen Systemen von geradezu choreografischer Schönheit auswachsen. Nur deren Folgen und Wirkungen sind so wenig abschätzbar wie ein Sechser im Lotto. Das drückt aufs Gemüt. Damit auf das Sprachgefühl. Darum bildet die Sprache eine Widerstandslinie ungeahnten Ausmaßes. Warum will Sprache viel lieber den Euro «hebeln», als wäre er nur ein schwerer Stein? Warum will sie eine Volkswirtschaft ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: ideen, Seite 60
von Arnd Wesemann