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Reid Anderson findet Talente in Serie – und schmiedet sie. Der Stuttgarter Ballettintendant über Vertrauen, Enttäuschungen und die ideale Karriere eines Tänzers im Gespräch mit Angela Reinhardt.

Reid Anderson, wie sieht man einem 17-, 18-jährigen Tänzer an, wie gut er einmal sein wird?
Früher, als ich angefangen habe als Ballettdirektor zu arbeiten – in Vancouver, in Toronto – sind die Leute von irgendwoher gekommen und haben vorgetanzt. Man musste sich innerhalb von einer Stunde entscheiden, ob man sie oder ihn haben will. Es war schwerer, und es war leichter, denn man konnte sagen: als Typ, nein, tut mir leid. Jetzt ist es völlig anders, fast alle jungen Tänzer, die ich engagiere, kommen  aus der John-Cranko-Schule, die zu uns gehört.

Sie kommen nicht erst in die Kompanie, die sind eigentlich schon in der Kompanie. Ich kenne die Schüler und Schülerinnen, ich arbeite ständig mit ihnen. Das macht meine Arbeit, das Weiterkommen, viel leichter. Das gilt auch für die Förderung von Choreografen. Als ich als Direktor hierher nach Stuttgart gekommen bin, habe ich verstanden, was John Cranko damals machen wollte, er hat das alles in England gelernt.

Wie unterscheidet sich ein Tänzer im Jahr 2014 von einem Tänzer des Jahres 1970 oder 1980?
Es wird oft beklagt, die Tänzer von heute hätten keine Persönlichkeit mehr. Ich bin total anderer Meinung. Als wir damals getanzt haben, mit ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: praxis, Seite 68
von Angela Reinhardt

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