halleluja

In Israel erobern die Orthodoxen die Tanzbühne.

Schräg bohrt sich das Licht durch die dunkle Bühne und gibt den Blick frei auf eine Gruppe von fünf Männern, die rhythmisch ihren Oberkörper vor- und zurückbeugen. Tranceartig tanzen sie ihr Gebet so, wie sie es jeden Tag in der Synagoge tun, voll Hingabe und mit geschlossenen Augen einen heiligen Text murmelnd. Der Unterschied zwischen einem Gebet und seiner Darstellung auf der Bühne ist für sie gleich null.



Eine religiöse jüdische Gruppe – mit allen Insignien wie langen schwar­zen Löckchen und obligatem Unterrock ausgestattet – galt bislang auf der Tanzbühne als so undenkbar wie ein katholischer Priester, der in voller Montur am Balletttraining teilnimmt. Bis jetzt. Das Ensemble Ka’et («Jetzt») ist mit seinen frommen Männern angetreten, um Tanzgeschichte zu schreiben. Mit glänzenden Augen reden sie über ihre von Rabbis unterstützte Gründung der Tanzkompanie, aber es widerstrebt ihnen, dem rechten, orthodoxen Flügel zugeordnet zu werden. Nein, sie fühlen sich keiner politischen Richtung nah, auch wenn mindestens einer von ihnen der Meinung ist, dass Tänzer in Tel Aviv alle ­homo­­sexuell und linksorientiert seien, «weil das so Mode ist».

«Road Number 1» heißt ihr erstes Stück, ...

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Tanz Mai 2011
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Ora Brafman