wahre paare

Ein Liebes-Pas-de-deux ist nichts als Schauspielerei gegen das hier: den wahren Kuss, die aufrichtige Leidenschaft, das reine Herz. Auch im Ballett gibt es ihn: den Einbruch der Realität ins Nur-so-tun-als-ob. Keine Simulation, alles ist echt

Christine Camillo hat adlerscharfe Augen. «Bleib auf der Diagonalen, Elisa, denk nur an den Rücken!» Jeder Kommentar der Ballettmeisterin trifft ins Schwarze. Trotzdem steht ihr an diesem Morgen ein zweiter Maestro zur Seite, wie inkognito eingeschleust ins Staatsballett Berlin. Eine Art Ballerinenflüsterer, dessen Stimme mal sacht, mal fordernd Ermunterungen zischelt und dabei übergangslos vom Russischen ins Spanische und weiter ins Englische wechselt.

Dicht bleibt der Mann «La Esmeralda» auf den Fersen, bis er endlich Tuchfühlung aufnehmen darf: «So kann ich dich nicht halten, dein Fouetté ist falsch, du bleibst hängen!» Spätestens jetzt wäre jede andere Frau, die es gleichzeitig mit zwei Coaches aufnehmen müsste, gehörig genervt. Vor allem wenn es sich bei einem der beiden Sparringspartner auch noch um den eigenen Ehemann handelt.
 
Elisa Carrillo Cabrera aber bleibt der Liebreiz in Person. «Sorry», lächelt sie und setzt so lange neu an, bis ihr Gatte Mikhail Kaniskin zufrieden ist. Was nichts an seinem verbalmelodischen Sperrfeuer ändert. Ist das nicht kolossal irritierend, macht er das etwa auch auf der Bühne? Ein helles Mädchenlachen sprudelt die Antwort entgegen: «Manchmal ...

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Tanz November 2011
Rubrik: menschen, Seite 14
von Dorion Weickmann