Verfolgte im Eis

Wie der Eistanz der Eiskunst hinterherläuft. Doris Henkel erzählt, warum aus der Kür keine Kunst werden darf

Vor ein paar Wochen feierte die englische Eistänzerin Jayne Torvill ihren 50. Geburtstag. Schwer zu sagen, ob der Name allein genügt hätte, um mit dieser Nachricht in den Meldungsspalten zu landen. Aber er ist verbunden mit dem ihres langjährigen Tanzpartners Christopher Dean und mit der unvergesslichen Kür nach Maurice Ravels «Bolero». Jener Tanz, mit dem die Engländer 1984 Welt- und Europameister wurden und mit dem sie den Olympischen Winterspielen in Sarajevo vier innige, traumschöne Minuten schenkten.

Es war ein Triumph der choreografischen Freiheit – einer Freiheit, die es heute nicht mehr gibt.

Eistanz ist lange Zeit das spät entwickelte Stiefkind der Sportart Eiskunstlauf gewesen. Die ersten Weltmeister der Herren wurden schon im 19. Jahrhundert gekürt (1896), die Damen folgten zehn Jahre später, und Paarlauf feierte Premiere anno 1908. Erst mehr als vierzig Jahre danach folgte der Eistanz und war fast zwei Jahrzehnte lang eine ziemlich steife Angelegenheit; Parkett-Tanz auf Kufen, sehr aufrecht und geordnet. Die ersten englischen Sieger in den 1950er Jahren bewegten sich bisweilen, als hätten sie Regenschirme verschluckt; ein Tango führte sie an die Grenzen ihres ...

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Tanz Dezember 2007
Rubrik: Eistanz, Seite 12
von Doris Henkel

Vergriffen