intimität

intimität

Das Theater hat den Tanz gezwungen, Theater zu sein. Keine wirklichen Gefühle dürfen gezeigt werden, jede Bewegung ist berechnet, aus der Rhetorik der Schauspieler wurde eine Dramaturgie der Schritte. Damit entfernte sich der Tanz von jenen Gefühlen, die er in jedem Tanzenden selbst auslöst: eine Lockerung der Seele durch die Freiheit der Glieder. Vielleicht ist daran aber auch nur die Sitzordnung Schuld. Vor der Bühne sind die Glieder des Publikums wie festgebunden, damit es diszipliniert zuschaut. Ebenso diszipliniert ist der Tanz.



Ausgerechnet Methoden der Disziplinierung – die Unterwerfung des Körpers unter die Macht eines anderen – sind es, die sowohl erotischen Praktiken dienen als auch das Choreografieren bestimmen. Die Unterwerfung des Körpers führt hier in erster Linie zu seiner Beherrschung. Diese Beherrschung kann sinnlich sein, vertrauensvoll abhängig und durchaus bezwingend. In Deutschland gibt es – in der Öffentlichkeit zugegeben – nur einen Ort, der sich dieser Intimität des Tanzes offen stellt. Es ist schwelle7, ein Veranstaltungsraum in Berlin, der sich experimenteller Körperarbeit widmet, «vor allem aber Spiel, Zauberei und sanfter Wahnsinn» sein will. Letzteres ...

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Tanz April 2010
Rubrik: editorial, Seite 1
von tanz-Redaktion

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