Warum ist der Tanz wieder schön?

Er war’s doch immer schon. Eine harmonische Einheit von Musik und Körper. So definiert es das «einzige demokratische» Lexikon «Wikipedia». Erst im Tanz erscheint der Mensch wirklich schön. Sogar der hässliche Mensch wird schön, wie Undine Eberlein in diesem Heft schreibt. Schön ist auch – aber das war wohl mal – die Freiheit. Die freie Bewegung, von der Friedrich Schiller in seinen Kallias-Briefen schwärmte als Ausdruck für die Würde des Menschen – und das als politische Richtung meinte.

Schönheit als Freiheit? Diese Vorstellung von Tanz ist spätestens seit Adorno verdächtig. Schön ist Werbung, schön verführt. Tanz sei da nur ein süßes Cremetörtchen für den ins Theater einkehrenden Besucher, etwas Valium aus reiner Anmut, eine sinnliche Halluzination – aber Freiheit?
Valium und Ekstase, die «immaterielle Erscheinung des Schönen», führt Johannes Odenthal aus, werde heute viel höher geschätzt als die alte klassische Linie und die wohl proportionierte Form, die reine Vernunft, deren Kritik durch die Herausforderung der Schönheit geradezu implodiere. Kritik meckert nur noch, während die Bildende Kunst gerade die Schönheit wie eine Fahne schwenkt. Ebenso die Philosophen wie der derzeit ...

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Tanz März 2005
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

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