sexualität

taugt hervorragend zum Skandal. Nur als Skandal ist sie in unserer Gesellschaft öffentlich verhandelbar. Bieder ist der Fehltritt, an dem sich das Publikum er­götzt; ethisch skandalös ist der Fehlgriff beim Umgang mit Kindern. Was in den letzten Monaten die Schlagzeilen bestimmte, entsprach der alten Schule des Dramas: Höchste moralische Fallhöhe kam über die Schulen, vor allem die reformierten. Die Kirchen, gerade die Unreformierbaren, vergehen sich an der vorbewussten Sexualität von Kindern.

Mit großem Misstrauen wird beobachtet, wenn der Lehrer einer Schülerin über ein Turnpferd hilft. An ein Wunder grenzt es, dass sich der starre Kamerablick der Öffentlichkeit nicht längst auch in Ballett­studios installiert hat. Denn gerade das Training und der Unterricht, schlimmer noch die Einzelarbeit am Körper, ist die ideale Gelegenheit, Schutz­befohlene unter dem Vorwand der Korrektur in höchste sexuelle Verlegenheit zu bringen (Seite 38).

Dass die Öffentlichkeit so schwer oder zu spät zu Hilfe eilt, liegt an der dop­pel­ten Sicherung der Sexualität. Sie ist tabu. Und sie ist mit Scham bedeckt. Beides schützt die Intimität. Mag man wie Christoph Quarch die «Orgien der Toleranz» dieser ...

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Tanz August 2010
Rubrik: editorial, Seite 1
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