duisburg: avi kaiser, sergio antonino «carré 18»

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So viel Quadrat war nie: Vier Zuschauerreihen umsäumen eine wiederum quadratische Tanzfläche, in deren Mitte akkurat übereinander gestapelte Bücher ein Quadrat bilden. Am Ende wird dem Kaiser Antonino Dance Ensemble die Quadratur des Bühnenquadrats gelingen: Sie spannen, mit Hilfe der Zuschauer, Seile diagonal durch den Raum zu einem Kubus.

Diese Bühnenarchitektur beleben vier Tänzer im «Carré 18» mit einem Bücherkarree als intellektuellem Zentrum. Für Avi Kaiser und Sergio Antonino formt die Zahl 18 im ­He-
­bräi­schen das Wort «Leben».

Von der Harmonie der Form ließ sich das ­Choreografenduo zu einem in sich ruhenden Stück inspirieren. «Architektur ist ein wunderbarer Partner für die Tanzkunst», sagt Kaiser. In einem Wechsel aus skulpturalen Posen und regelrechten Tanzattacken erobern sich bei der Uraufführung in der Krefelder Fabrik Heeder der Israeli und der Italiener, die selbst auf der Bühne stehen, mit Alessio Attanasio und Gon Biran den Raum – jeder für sich und später auch als Duette und Quartett. Aus einem Nebel von Stimmen dringen einzelne Worte durch wie «metaphysische Positionen» oder dahin-gehauchte, abgehackte Silben des französischen Volkslieds «Sur le pont ...

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Tanz Januar 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Bettina Trouwborst

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