düsseldorf on tour

andrés marín «ad libitum»

Postmodern, abstrakt, avantgardistisch, picasso-mäßig – alles Adjektive, die auf Andrés Marín zutreffen. Nach Ausflügen in andere Tanzwelten, etwa Performances mit dem Pferdechoreografen Bartabas oder dem Hip-Hopper Kader Attou, kehrt der Flamencotänzer zurück zu seinen Wurzeln. Rückkehr bedeutet für ihn Reduktion, Klarheit, Verzicht auf Bühnenbild und Effekte. Mit zeitgenössischer Ästhetik rückt er den Flamenco in den Mittelpunkt und gibt ihm so eine Bedeutung, die dieser Tanz in den Ornamenten der Tradition zuweilen zu verlieren droht.

Ein Tänzer, ein Gitarrist und ein Sänger, dazu das Licht, das allein den Raum definiert, in den Maríns Schrittkombinationen wie kleine Kieselsteinchen hineinperlen, um sich wie ein Mantra zu wiederholen. Er selbst gibt den Zeremonienmeister, füllt die Bühne und hält unversehens inne, um dem Gesang Platz zu machen. Oder erst recht: der Stille. Seine Domäne ist die angedeutete Bewegung, der überraschende Bruch. Seine Armbewegungen sind groß, am Ende kontrastiert eine kleine Drehung der Hand die Pose.

Wie der Titel andeutet, geht es in «Ad libitum» um die Freiheit des Künstlers, der sich erlaubt, etwas Vorhandenes nach Gutdünken zu interpretieren. Der ...

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Tanz April 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Susanne Zellinger

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