Dressed To Kill

Die schönsten Männer Südafrikas stehen auf der Bühne von Robyn Orlin – und zeigen sich beim Schönheitswettbewerb von ihrer allerbesten Seite.

Schwarze
sind oft wenig vermögende Männer. In Südafrika tragen sie tagsüber den Blaumann und setzen Motoren zusammen. Sie verdingen sich im Kittel als Gärtner, in Fantasie-uniformen als Kellner oder in schlecht sitzendem Leinen als Hilfspolizisten. Nichts degradiert sie vierzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid mehr als diese Uniformen. Die nur zu offensichtliche Kennzeichnung als Diener trennt heute Arm von Reich mehr als die Hautfarbe.
Und wovon träumt so ein Mann, wenn er abends seinen Overall auszieht? Er wird sich nicht kleiden wollen wie sein Herr.

Er wird träumen: von wirklicher männlicher Schönheit, jenseits der mausgrauen Unauffälligkeit der Weißen und ihrer lässigen Ignoranz von Chic. Der weiße Mann bezeichnet seine Kleidung gern als «casual». Was aber soll einer, der sich «ungezwungen» gar nicht fühlen kann, diesem Modeideal entgegensetzen? Akkurate Schönheit. Ein echtes Mannsbild sein. Auch ein wenig die Karikatur des weißen Mannes darstellen.
Darum trägt Simon Khoza heute Abend einen schneeweißen Anzug. Eine rasiermesserscharfe Bügelfalte. Ein knallblaues Seidenhemd. Falsche Brillanten an den Fingern. Er ist eine Wucht von Selbstachtung. Mit dieser Klamotte ist vor ...

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Tanz April 2008
Rubrik: Premiere, Seite 26
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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