Die lichtscheue Gattin der Republik

Johann Kresnik: «Hannelore Kohl» in Bonn

Der Boulevard kreißte und gebar ein Skandälchen. Den alten Rampen-Revoluzzer Kresnik mag’s gefreut haben, dass die einschlägigen Blätter nach seiner gewagten «Hannelore Kohl» empört taten – anders als das Publikum. Wenn Helmut Kohl auch verlauten ließ, Kresnik miss­brauche die künstlerische Freiheit, so kam der Kanzler a. D. doch glimpflich davon. Der notorische Kunst-Berserker griff nicht in die Fäkalientonne und hielt sich auch unterhalb der Gürtelline einigermaßen im Zaum. Gewiss, Kresnik demontiert mit seinem Choreographischen Theater der Oper Bonn einen Intimfeind.

Er macht den Altkanzler zum feisten Popanz mit Narrenkappe und Aktenkoffer, lässt ihn als jungen Lüstling in Leoparden-Tanga kopulieren und als ignoranten Machtmenschen in Unterhosen mit der Sekretärin poussieren. Kohl stopft sich Fleischbrocken in den Schlund, wirft anderen welche zu, zerrt mit Amerikanern und Russen an der schwindsüchtigen DDR-Braut im Totenbett. Ein unappetitliches Geschäft, das aber nur das Naheliegende und Bekannte suggeriert. Hannelore Kohl dagegen, deren Freitod im Sommer 2001 das Tanzstück zum Tanzdrama erhöht, gilt seine Sympathie. Diese, von den Eltern in ein restauratives Korsett aus ...

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Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 42
von Bettina Trouwborst

Vergriffen
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