Die lichtscheue Gattin der Republik
Der Boulevard kreißte und gebar ein Skandälchen. Den alten Rampen-Revoluzzer Kresnik mag’s gefreut haben, dass die einschlägigen Blätter nach seiner gewagten «Hannelore Kohl» empört taten – anders als das Publikum. Wenn Helmut Kohl auch verlauten ließ, Kresnik missbrauche die künstlerische Freiheit, so kam der Kanzler a. D. doch glimpflich davon. Der notorische Kunst-Berserker griff nicht in die Fäkalientonne und hielt sich auch unterhalb der Gürtelline einigermaßen im Zaum. Gewiss, Kresnik demontiert mit seinem Choreographischen Theater der Oper Bonn einen Intimfeind.
Er macht den Altkanzler zum feisten Popanz mit Narrenkappe und Aktenkoffer, lässt ihn als jungen Lüstling in Leoparden-Tanga kopulieren und als ignoranten Machtmenschen in Unterhosen mit der Sekretärin poussieren. Kohl stopft sich Fleischbrocken in den Schlund, wirft anderen welche zu, zerrt mit Amerikanern und Russen an der schwindsüchtigen DDR-Braut im Totenbett. Ein unappetitliches Geschäft, das aber nur das Naheliegende und Bekannte suggeriert. Hannelore Kohl dagegen, deren Freitod im Sommer 2001 das Tanzstück zum Tanzdrama erhöht, gilt seine Sympathie. Diese, von den Eltern in ein restauratives Korsett aus ...
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Der deutsche Videotanzpreis der SK Stiftung in Köln wird biennal vergeben. Nun liegt eine DVD der Gewinner-Filme seit 1998 vor, dazu die nominierten Filme seit 2000. Nach wie vor am eindrucksvollsten, längsten, durchdachtesten, auch aufwändigsten ist Stephanie Thierschs «Georgia» von 2002, die als einzige Produktionsgelder von arte, ZDF und 3Sat erhielt, um im...
Wo bitte geht’s zur Unterwelt?
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