marcos morau

marcos morau

Es gab beim letztjährigen Berliner «Tanz im August» mit Marcos Moraus La Veronal ein Ensemble, das später als Shooting-Truppe der Saison herumgereicht wurde. Mit Recht. Was Morau in «Siena» mit wunderschönen Tänzerinnen in einem Museumsambiente – Tizians «Venus von Urbino» an der Wand – entfesselte, war so fein anzusehen wie spannend rätselhaft. Zu barocken Klängen und schrillem Telefonklingeln ver- und entwirrte sich ein Reigen optischer und semantischer Codes, der delikat erdacht und mit wundervoller Eleganz ausgeführt war.

Acht herrliche Damen lieferten sich als Fechterinnen poetische Duelle. Hinter der nackten Leinwandschönen mit der Hand auf der Scham lag plötzlich eine Leiche, später tänzelte ein Mann, der vorher noch als Aufseher herumlief, im Lurexkomplettanzug aus der Szene. Nichts ist, wie es scheint. Welcher Inhalt auf optischer oder akustischer Wellenlänge gerade geboten wird, bleibt hinreißend unklar. Wer starrt hier auf wen? Da werden berühmte Bildkompositionen sekundenkurz nachgestellt, gleichzeitig brabbeln ein Mann und eine Frau aus dem Off Banalitäten. Renaissance trifft 21. Jahrhundert, in sich ruhende ewige Schönheit die ewig aufgeregte Jetztzeit-Hippeligkeit.

Ma ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 170
von Manuel Brug