Die Hoffnungsträger

Rabih Mroué

Ein Frühlingsvormittag in den Berliner Uferstudios. Das Bullauge in der Tür, hinter der gerade geprobt wird, ist mit Zeitungspapier verklebt. Nur ein winziger Spalt lockt das Auge – gerade groß genug, um ins Innere zu linsen. Da sitzt ein graumelierter Lockenkopf auf dem Boden und schaut gebannt sechs Tänzern zu, die ausdauernd eine einzige Passage wiederholen, sich dabei leise austauschen, Kritik und Kommandos zuwerfen. Ein paar Minuten später hocken und stehen sie um den herum, der sie so aufmerksam beobachtet hat, und nehmen sein Feedback entgegen.

«Ich weiß zumindest genau, was ich nicht sehen will», sagt Rabih Mroué später. Insofern ist das Dance-On-Ensemble, bestückt mit lauter Akteuren 40+, für den choreografischen Debütanten ein Idealpartner. Denn jeder hier hat so viel Erfahrung und Impro-Angebote im Gepäck, dass Mroué die Linie festlegen kann, um sich danach dem Dirigieren, Sortieren, Arrangieren, Komplettieren und eben Eliminieren der Offerten zu widmen. Heraus kommt in diesem Fall ein auf Kampnagel uraufgeführtes, wunderbar vielfältiges und zugleich komplex verdichtetes Stück: «Water between three hands».

Mroué hat sich damit den Wunsch erfüllt, Tänzer und tänzerische ...

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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 167
von Dorion Weickmann

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