Diana Vishneva

Sie pendelt zwischen Sankt Petersburg und New York, mit Abstechern rund um den Globus – eine Ballerina von Weltformat, die ihre Kunst offensiv verteidigt. Weil sie um deren Zukunft fürchtet.

Auf der Bühne beherrscht sie den Raum durch die leidenschaftliche, glühende Intensität ihrer anmutigen Körpersprache. Journalisten gegenüber ist es nicht selten gerade das Unausgesprochene, das sich als beredt erweist – aussagekräftiger als vieles, was die Sankt Petersburger Ballerina Diana Vishneva expressis verbis verlauten lässt.

So auch unlängst in Monte Carlo, wenige Stunden vor dem Europadebüt ihrer neuen Produktion «On the Edge», einem Doppelprogramm, das ihr die Choreografen Jean-Christophe Maillot und Carolyn Carlson auf den Leib geschneidert haben: Vishnevas Worte, ihr Tonfall, ihre Haltung, ihre Gesten und Blicke – mithin jede Äußerung der Tänzerin scheint auf etwas anderes zu verweisen, auf etwas anderes anzuspielen, als man vordergründig zu verstehen meint. In der Lounge des Luxushotels Metropole schmiegt sie sich in ihren Sessel, dem Gegenüber leicht abgewandt, als wolle sie sich vor zudringlichen Fragen schützen. Ihre Stimme ist kaum lauter als ein Hauch, das Russische perlt aus ihrem Mund wie ein geflüstertes Schlaflied. Noch auffälliger aber ist ihr Blick, der unentwegt im Raum umherschweift, ausweichend, bisweilen beinahe jenseitig. Erst als sich das Gespräch dem ...

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Tanz März 2014
Rubrik: menschen, Seite 12
von Silvia Poletti

Vergriffen
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