Der Zahlenfuchs

Erst Tänzer, dann Betriebsdirektor: Johannes Grube meisterte den Wechsel mit dem Elan eines Autodidakten. Davon profitiert heute die Kompanie von Stephan Thoss am Nationaltheater Mannheim

«Halten Sie sich Richtung Mercedes Benz», lautet die Navi-Ansage. Der Weg zu Johannes Grube, Tanz-Betriebsdirektor und Stellvertretender Intendant Tanz des Nationaltheaters Mannheim, führt über staubige Straßen durchs Gewerbegebiet von Mannheim-Käfertal. Galvanistraße, Tor 6A – «Sie haben Ihr Ziel erreicht.» Hier, in einer ehemaligen Werkhalle von General Electrics, befindet sich das Tanzhaus, eine Dependance des Nationaltheaters, mit Proberäumen und dem Büro des Betriebsdirektors.

 

Der Begeisterte

Rauchend steht Johannes Grube – in kurzer weißer Hose, braungebrannt – vor dem Tor, heißt den Gast freundlich im «wüschten Teil Mannheims» willkommen und lädt zum Abtauchen in seine Welt ein. Es laufen gerade die Proben für den «Sommernachtstraum». Bei 35 Grad Außentemperaturen ringen die Tänzer in Boxershorts und T-Shirts, barfuß oder auf Socken nach Atem. Tanzchef Stephan Thoss korrigiert, kommentiert ohne Worte, nur mit Gesten und tänzerischen Bewegungen.

Johannes Grube schwebt auf leisen Sohlen zur Zuschauerbank, setzt sich und erklärt flüs-ternd den Probenablauf, die Besonderheiten des Stücks, der Choreografie, der Musik. Stolz und Respekt schwingen in jedem Satz mit, wenn er ...

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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Serie: Hinter den Kulissen, Seite 64
von Nadja Encke

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