der lehrer: christian camus

Sie wurden bei Rosella Hightower in Cannes ausgebildet, hatten zahllose Engagements als Tänzer und Ballett-meister und unterrichten seit Jahren sowohl an Schulen als auch bei Kompanien. Bei den ZAV-Auditions (vgl. S. 68) geben Sie regelmäßig das klassische Training. Inwiefern unterscheidet sich das vom normalen Exercice?

Bei einer Audition geht es darum, auf die Schnelle zu erkunden, was die Kandidaten können. Das ist insofern anspruchsvoll, als sie weder den Rhythmus, den Aufbau noch die Kombination einzelner Übungen gewohnt sind. Sie müssen also ganz schnell reagieren.


Wer zu einer Audition geht, ist in der Regel aufgeregt. Wie gehen Sie damit um?

Ich versuche, dass die Leute locker werden, atmen, sich nicht nur auf die Schritte konzentrieren. Ich bereite mich anders auf dieses Training vor als auf den normalen Unterricht. Meinen Schülern muss ich etwas beibringen, aber bei einer Audition gehe ich davon aus, dass die Bewerber sowohl die Technik als auch das Bewegungsvokabular beherrschen. Ich erarbeite also  nichts, sondern will einfach innerhalb kurzer Zeit herauskitzeln, was sie können – und ihre Grenzen austesten.

Sie geben eine Art Versuchsleiter?

Genau. Im normalen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2013
Rubrik: praxis, Seite 74
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
nach kuba: carlos acosta

wollte Gutes tun – und hat sich eine Menge Ärger eingehandelt. Der gebürtige Kubaner, regelmäßiger Gaststar beim Royal Ballet in London, denkt so langsam ans Aufhören und deswegen über eine neue Lebensaufgabe nach. In Havanna ist er fündig geworden. Dort modert seit fast 50 Jahren ein Campus vor sich hin, auf dem Fidel Castro einst alle nationalen Kunsthochschulen...

antwerpen: nicole beutler «shirokuro»

Von «Ebony & Ivory» sangen einst Stevie Wonder und Paul McCartney, als sie das Miteinander heller und dunkler Klaviertasten zur gesellschaftlichen Blaupause erhoben. Auf Japanisch vereinen sich beide Extreme in dem Wort «Shirokuro»: schwarz-weiß. Nicole Beutler, Choreografin in Amsterdam, kam auf den japanischen Titel nicht nur, weil sie mit der Pianistin Tomoko...

trier: sven grützmacher «das narrenschiff»

Wer macht sich schon gern zum Narren? René Klötzer spielt zwar einen, aber von «Liebe», «Geborgenheit», «Salafisten» oder «Analverkehr» handelt das Stück noch lange nicht, wiewohl diese sich als Stichworte auf einem Flipchart an der Bühnenrampe wiederfinden. Sie werden von ihm ebenso schnell überblättert wie vergessen. Erst ein Thema wie «Träumer» lässt den...