Der Hals der O.
Dieser Mann verteidigte die wahre Kunst. Seiner Ansicht nach jedenfalls. «Ein erbärmliches Modell», empörte er sich, ein Monster, das «Schatten wie schwarze Schuhwichs-Striche» werfe. Und die Haut erst: nichts als ein schmutziges Etwas!
Der Mann war in guter Gesellschaft. Das Erscheinen der Dame, um die es ging, provozierte einen Skandal. Sie trug nämlich nichts als ein Halsband, ein dunkles Schleifchen, an dem eine Perle baumelte.
Von hier schweifte der Blick des Betrachters entweder in das hübsche, aber gleichgültig dreinblickende Gesicht, oder er glitt am reizvollen Körper hinab, um sich jenseits des Bauchnabels in schwülen Träumen zu verlieren. Die Schlacht zwischen den Anhängern und Gegnern der Dame entbrannte derart heftig, dass sie alsbald entrückt werden musste.
Ein gutes Jahrhundert später kam ein Landsmann daher, ein studierter Ethnologe, der die Dame, die inzwischen unter ihresgleichen Hof hielt in einem der schönsten Säle des Lands, noch einmal genauer begutachtete: «Dass die Hände, die Füße, sogar Ohren und Nase abgeschnitten werden, all das kann geschehen, ohne dass der Tod eintritt. Nicht aber der Hals darf abgeschnitten, nicht jener eher grazile Stiel durchtrennt ...
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