david dawson

Das zeitgenössische Ballett liebt das Spiel mit Referenzen. Ein Choreograf, der es vorzüglich beherrscht, ist David Dawson. Er erklärt, was es mit Zitaten und Verweisen im Tanz auf sich hat

David Dawson,
in Ihrem Stück «timelapse/(Mnemosyne)», das im Juni des vergangenen Jahres beim Niederländischen Nationalballett herauskam, finden sich diverse Zitate. Wie zitiert man denn im Tanz?
Ich zitiere nicht. Für mich wäre ein Zitat erst gegeben bei einer vollständigen Bewegungsphrase – und das ist in «timelapse/(Mnemosyne)» nicht der Fall, die gesamte Choreografie stammt von mir.

Ein Verweis hingegen ist etwas anderes, eine Anspielung oder eine Hommage an eine Tradition in der Kunst, ganz im Dienst des Werks stehend, wobei damit eine Geschichte angedeutet wird. Man kann sich höchstens selbst zitieren, wie es etwa Frederick Ashton mit seinem «Fred Step» getan hat, der in praktisch jedem seiner Ballette vorkommt. Ich denke auch nicht, dass Zitieren nötig ist. Jeder ernsthafte Künstler hat immer etwas zu sagen und kann originell sein. Man kann natürlich Ideen aufgreifen und damit arbeiten. In «timelapse/(Mnemosyne)» wollte ich auf einige Aspekte der Geschichte des Balletts und seiner Beziehung zur Geschichte im Allgemeinen verweisen. Es geht um eine Reise zurück in die Vergangenheit und um die Gegenüberstellung der griechischen Mythen mit den ikonischen Bildern der ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: menschen, Seite 22
von Klaus Kieser