Das Gestern erahnen
Ende letzter Spielzeit haben Sie in Stuttgart für Gauthier Dance ein abendfüllendes Nijinsky-Ballett erarbeitet. Und auch in der neuen Spielzeit beschäftigen Sie sich nicht eben zufällig wieder mit Ballettgeschichte: Sie choreografieren Strawinskys «Petruschka» für das Ballett Zürich. Wie kommt es zu dieser Auseinandersetzung mit der Vergangenheit? Wurde das von außen an Sie herangetragen? Oder geschieht es auf eigenen Wunsch? Der «Nijinski» stand schon immer auf meiner Agenda.
Aber «Le Spectre de la rose», eine meiner ersten Auseinandersetzungen mit dem Repertoire der Ballets russes, war tatsächlich ein Auftrag. Jean-Christophe Maillot hat mich um eine Neufassung für die Ballets de Monte Carlo gebeten. Ich muss gestehen, mich während meiner Tänzerausbildung nicht besonders intensiv um Ballettgeschichte bemüht zu haben. Deshalb bin ich für Angebote in dieser Richtung dankbar.
Wieso? Es drängt mich nicht unbedingt danach, mich mit Vergangenheit zu beschäftigen. Aber wenn mir jemand so etwas anbietet, muss ich nicht hundertprozentig aus mir schöpfen. Es gibt eine Idee, eine Geschichte oder einfach Eckdaten, an denen ich mich abarbeiten kann.
Einen Kristallisationskern? Genau. Für ...
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Tanz Oktober 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Hartmut Regitz
Warum zeichnen Kinder die Sterne, die Sonne mit gelben Wachsmalstiften? Warum empfinden wir Licht als gelb, den Himmel komplementär als blau? Warum meint das Gelb an unseren Ampeln so widersprüchlich zugleich «Nicht stoppen» und «Nicht fahren»? Gelb ist ein Signal, das Gutes meint. Nirgendwo wirkt diese Farbe so eindrucksvoll wie am Ende der bewohnten Welt.
Markier...
Über dem Graben liegt eine kreisrunde Scheibe, und das Orchester sitzt auf der Bühne. Ein junger Mann in Weiß kommt aus dem Zuschauerraum dazu, tippt zögernd auf die leere Spielfläche, als wäre es brüchiges Eis. Allmählich erobert er sich seine Bühne, andere junge Männer in cremefarbenen zeremoniellen Röcken (gestaltet von Albert Kriemler) gesellen sich zu ihm –...
Während der Ex-Chef neuerdings das Ballett der Mailänder Scala leitet, läuft seine einstige Truppe zu Hochform auf: Das Aterballetto, die längste Zeit von Mauro Bigonzetti profiliert, hat unter der Führung von Cristina Bozzolini nichts an Qualität eingebüßt. Im Gegenteil ist dem Ensemble eine choreografische Vielfalt zugewachsen, die ihm sichtlich gut bekommt.
Das...
