Das Bild und seine Geschichte

Auf Kuba feiern die Dicken eine Revolution.

Diese schwergewichtigen Tänzer wollen unbeschwert und völlig losgelöst hoch hinaus. Auf Kuba, der kommunistischen Karibik-Insel mit all den drahtigen Muskel-Macho-Männern, hat die Companía Danza Voluminosa eine zweite Revolution angezettelt. Wann sah man je so füllige Ballerinen so kokett ihre mächtigen Schenkel lüpfen oder mit weit ausgespannten Wabbelarmen zum Vogelflug vom Boden abheben?

Vielleicht in Maguy Marins «Groosland», damals in Holland.

Aber in ihrem humoristischen Putzkolonnen-Bacchanal zu Bachs «Brandenburgischen Konzerten» war die Körperfülle nur eine zweite, erborgte, dick wattierte Haut, um dürre Tänzer aufs Doppelformat zu stopfen. Hier dagegen bei den Damen von Danza Voluminosa ist alles echtes, pfundschweres Fleisch. Von der eigenen Last befreit sie ihre Tanzlust, und zwischen ihnen hüpft ihr 130 Kilo schwerer Gründer Juan Miguel Más mit faunischen Freudensprüngen. Hier herrscht beides: ein unbedingter Wille zur Form und eine durch ihre Kondition bedingte «Formlosigkeit» der unbeherrschbar schwingenden Körperlinien auf der Bühne. Das führt direktemang zu einem offensiven Selbstbewusstsein.

Mit dem Schlachtruf «Más» («Mehr!») hat Juan Miguel Chigin den Aufstand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2009
Rubrik: Entree, Seite 4
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Joe Alegado

Joe Alegado, seit zwanzig Jahren leiten Sie Intensiv-Workshops am Sportinstitut Tübingen. Ihre Seminare sind voll, Ihre Studierenden sind eine Mischung aus Tanzbegeisterten und professionell Unterrichtenden.                                                                                    Was bringen Sie ihnen bei? Mein Schwerpunkt liegt auf der Limón-Technik....

Eonnagata

Robert Lepage, dessen Name in deutschen Feuilletons nie ohne den Zusatz «der Theatermagier» vorkommt, ist bekannt dafür, dass seine Stücke bei der Premiere nicht fertig sind. Seit jeher begreift er seine Arbeiten als work in progress. Und weil der Weg das Ziel ist und die Kunst wie das Leben ein Fluss in Bewegung, erweitert, kürzt und ändert er seine Stücke bis zur...

Der Gaukler

Was immer man einen Künstler fragt: der Grat zwischen produktiver Neugier und Indiskretion ist ein schmaler. Breiter wird er, wenn man wie bei einem Balanchine oder Forsythe sich auf Fragen nach Form und Struktur verlassen kann und darüber die persönlichen Imponderabilien gern vernachlässigt. Sie sind ja ohnehin nur spannend, wenn sie gehörig sublimiert werden....