Darmstadt: Tim Plegge: «Kaspar Hauser»

Seit eineinhalb Spielzeiten leitet Tim Plegge das in Wiesbaden und Darmstadt ansässige Hessische Staatsballett. Er hat dabei Boden gutgemacht. Boden, den der Tanz einbüßte, als bei der Zusammenlegung der beiden Vorgänger-Kompanien zwölf Stellen wegfielen. Außerdem verwandelte der Abgang von Stephan Thoss in Wiesbaden resp. Mei Hong Lin in Darmstadt zwei umtriebige Fan- in Trauergemeinden. Lin ist nun in Linz unter Vertrag, Thoss tritt demnächst in Mannheim an – also im Einzugsgebiet der Rhein-Main-Region, die offenkundig insgesamt eine Art Tanzaufschwung verbucht.

Denn sowohl Honne Dohrmanns tanzmainz-Kompanie als auch Plegges Staatsballett stehen für programmatische Vielfalt. Mit Bruno Heynderickx hat Plegge zudem einen Tanzkurator installiert, der Choreografen wie Hofesh Shechter oder der angesagten Paula Rosolen Residenzen ermöglicht. Das Publikum darf den Gästen regelmäßig über die Schulter schauen, das Staatsballett mit ihnen arbeiten. Demnächst gesellt sich zu all diesen Aktivitäten noch eine Kooperation mit Frankfurts Produktionshaus Mousonturm.

Bleibt die Frage, ob der Aufbruchselan sich auch auf der Bühne bemerkbar macht. Mit «Aschenputtel» auf Nummer sicher gestartet, hat ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
53° N
 völker wandern

«Kein schöner Land» heißt es im Lied, und alle singen. Doch die Frage, die sich die Ensemblemitglieder der Deutschen Tanzkompanie im «Ersten Wanderbild» stellen, lautet eigentlich ganz anders: «Woher kommen wir?» Schier endlos ist der Zug, sobald sich nach einem Prolog der Vorhang öffnet, und jeder trägt sein Fähnlein vor sich her, wie bei den Olympischen Spielen...

für die kinder von gestern, heute und morgen

Eine glückliche Parallelaktion: Die große Pina-Bausch-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle (tanz 4/16), ein Band mit Gesprächen und Reden von Pina Bausch beim Nimbus Verlag und die Neueinstudierung von «Für die Kinder von gestern, heute und morgen» von 2002 als Eröffnung der «Ballettfestwochen» beim Bayerischen Staatsballett fügen sich zu einer geballten...

Dortmund: Xin Peng Wang: «Faust I – Gewissen»

Wen interessiert der mürrisch-alte Faust? Es ging doch immer schon um Mephisto: den Geist, der das Böse will, und behauptet, stets das Gute zu schaffen. Dieser Widerspruchskerl hat nun Xin Peng Wang verführt. Für den Choreografen ist der Teufel quirlig wie ein ADHS-Teenager, sexy und begeistert-bös. Gott gibt ihm den Faust als Spielfigur, einen bebrillt-zauseligen...