coaching

Tänzer werden diffamiert. Vor allem am Ende der Karriere. Wer mit 38 unter lauter 20-jährigen Kommilitonen studiert, braucht ein starkes Selbstwertgefühl. Das aufzubauen, ist auch Aufgabe einer Mentaltrainerin. Eleonora Alexandrova Meyden im Gespräch mit Arnd Wesemann

Eleonora Alexandrova Meyden, Sie bereiten in Berlin derzeit ein neues Projekt vor, «Mentaltraining für Frauen».
Es ist eine Trainingsmethode für Unternehmen. Wir leben in einer Gesellschaft, die sagt: Frauen sind stark, Frauen sind ganz vorne, Frauen erfüllen die Frauenquote. Da haben wir uns schon was eingebrockt. Jetzt müssen wir multifunktional alles können. Dafür geben wir unsere Empfindlichkeit, Leidenschaft, Sensibilität und Emotionalität auf, um männliche Stärke zu simulieren. Ich finde aber Männlich-Weiblich, den Plus- und Minuspol viel interessanter.

Wenn die Unterschiede wegfallen, leiden die Frauen.

Wie ist das im Tanz?
Hier war es immer schon anders. Jede Tanzrichtung hat die geschlechtliche Differenz zum Thema. Der klassische Tanz spiegelt die Vergangenheit, der moderne Tanz äußert sich zur Problematik von heute und wie sie mutiert.

Sie haben nach Ihrer Zeit als Tänzerin am Berliner Friedrichstadt-Palast PR und Marketing studiert. Wie findet sich eine Tänzerin im neuen Feld zurecht?
Dreißig Jahre Ballett kann man nie wegradieren. Das bleibt im Knochenmark. Als ich mit 38 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, war das ein drastischer Cut, wie das Runterkommen von ...

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Tanz Januar 2015
Rubrik: praxis, Seite 68
von Arnd Wesemann

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