Chris Jäger «Daddy Shot My Rabbit»

Braunschweig on tour

Tanz - Logo

Am Ende fließt Kunstblut und es fallen Schüsse, aber die Tänzerin mit den süßen, weißen, puscheligen Hasenohren überlebt, genau wie die anderen dieser seltsamen Gemeinschaft, die vielleicht eine Familie ist – Großmutter, Mutter, zwei Kinder. Vielleicht aber auch nicht. Sie scheinen miteinander verbunden, ergehen sich in waghalsig akrobatischen Hebe- und Wurf-Figuren, für die es viel Vertrauen braucht, verharren jedoch zugleich in Isolation und Distanziertheit.

Etwas ist geschehen, aber was und wem? Chris Jäger erzählt von der Wirkung traumatisierender Erlebnisse auch auf diejenigen, die nicht unmittelbar Betroffene gewesen sein mögen. Aber er erzählt in Andeutungen, alle Szenen bleiben interpretierbar, was raffiniert gemacht ist und die Spannung hochhält. Man kann nur erahnen, dass etwas Traumatisierendes geschehen ist, auch die Figuren selbst scheinen dies mehr zu spüren als zu wissen – so zeigt es sich in ihren impulsiven, fast manischen Bewegungen, mit denen sie etwas Unverstandenes umkreisen, vielleicht ein Geheimnis. Und so erbeben, erzittern und erschaudern sie, sind in ruheloser Daueranspannung gefangen, in hektischem Aktionismus, wirken wie fiebrig eingekapselt in nervöser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2023
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Frank Schmid

Weitere Beiträge
Durch die Nacht

«Ich bin der nette Onkel», lächelt der ältere Herr, «und ich bringe Kaffee und Süßigkeiten.» «Nimm nichts von Fremden!», das hat man schon häufig gehört, aber man sitzt seit mehreren Stunden im Zug, man ist kurz vor Dresden, man braucht jetzt einen Kaffee. Und der nette Onkel ist auch gar nicht so nett, dass er einem den Kaffee schenken würde, man muss für das...

Silvana Schröder «Coppélia – das Mädchen mit den Glasaugen»

Donnernd statt mit den lieblich einschmeichelnden Orchesterklängen eines Léo Delibes beginnt der Abend am Theater Altenburg-Gera: ein Anfang mit Signalwirkung, der sofort ahnen lässt, dass Silvana Schröder das Ballet comique aus dem Jahr 1870 nicht nach Maßgabe des Librettisten Charles Nuitter erzählen wird. Schröders «Coppélia» ist ein humanoider Roboter, dem...

Vermischtes 10/23

Toxisch
BRITISCHE AKADEMIEN
Die Exzellenz ist das eine, die Arbeitsatmosphäre offenbar das andere: Wie die BBC Mitte September berichtete, haben 50 ehemalige Schüler*innen von Royal Ballet School und Elmhurst Ballet School schwere Anschuldigungen gegen die in London und Birmingham ansässigen Ausbildungsakademien erhoben. Demnach gab es hier wie dort zahlreiche...