Choreografen an der Oper
Ballett-Einlage
Es war eine ungeliebte Pflicht, die die Tänzer des Opernballetts an Stadt- und Staatstheatern an ihren Status im Kanon der Künste erinnerte. An ein Haus gekettet, künstlerisch mit wenigen Vorstellungen kurzgehalten, galten sie den Kollegen als hübsche Verfügungsmasse. Mussten antanzen zu «Einlagen» in Musical, Operette und Oper; obwohl deren Regisseuren selten recht viel zum Ballett einfiel. Und die musikalisch einfallsloseren Passagen fielen, wie begleitet vom Achselzucken schon des Komponisten, ohnehin der Choreografie zu.
Zum Glück für alle Beteiligten gehört diese hilflose bis selbstverständliche Ignoranz der Vergangenheit an (Ausnahmen aus «Sparzwang» bestätigen die Regel). Die Musiktheaterregie hat sich weiterentwickelt und denkt nicht daran, irgendwelche Zutaten auf der Bühne zu dulden, die ungeschickt durchs Gesamtbild purzeln. Sie mischt alle Elemente mit gleicher Sorgfalt oder verzichtet auf sie. Eine getanzte Einlage ohne dramatische Bedeutung im Inszenierungszusammenhang würde gestrichen. Wollen die Opernregisseure aber nicht darauf verzichten, dann finden sie kompetente Gegenüber auf der Tanzseite. Entweder am eigenen Haus, wo viele Kompanien inzwischen ...
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Barak Marshall
«Monger»
Das Geräusch von Wassertropfen bohrt sich in die Stille. Wir sehen hinein in ein dunkles Untergeschoss. Zehn Menschen hocken in schwarzen Mänteln ängstlich aufeinander. Wenn das Licht angeht, sind sie verstört wie aufgeschreckte Ratten. Ein eher dürftiger Anfang, der ans typische Tanztheater der 1980er erinnert. Aber dann geht’s los. Es gibt...
Tanz weder als expressiver Ausdruck von Emotionen noch als dramatisches Mittel zum Erzählen von Geschichten, Stimmungen oder Atmosphären, nur die Bewegung an und für sich, sie allein steht im Zentrum des Interesses des am 16. April 90 Jahre alt werdenden Merce Cunningham. Seine Tanztechnik sucht den Tanz um des Tanzens willen («dance for dance’s sake»). Bewegung in...
Marco Goecke, Scapino
«4x20 Storyproof»
nennt sich der neue Abend des Scapino Ballet Rotterdam und stellt mit Marco Goecke, Georg Reischl, Christophe Garcia und Ed Wubbe gleich vier Choreografen als «abstrakte Geschichtenerzähler» vor. Auf den Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts trifft die Kennzeichnung insofern zu, als sich Marco Goecke hier auch in seiner...
