Sidi Larbi Cherkaoui

Das Pensum des gebürtigen Antwerpener Choreografen ist atemberaubend. Ob auf Korsika, in China oder in Indien – überall tritt ein neugieriger Performer auf, der vor allem Alleingänge hasst. Binnen eines Jahres entstanden Kollaborationen mit Tänzer- und Choreografengrößen wie María Pagés und Shantala Shivalingappa. Spielerisch verknüpft er Kulturen und Ästhetiken und vermehrt so vor allem eins: den Glauben an einen wahrhaftig globalen Tanz

«Wäre Tanz in meinem normalen Leben präsent gewesen, wäre ich vielleicht Mathematiker geworden.» Sagt Sidi Larbi Cher­kaoui auf die Frage, wie er zum Tanz kam. Da war er fast erwachsen. Und entschloss sich nun, mit dem Eifer des Spätberufenen auf eine ungewisse Suche zu gehen und alles kennenzulernen, wessen er habhaft werden konnte an Tanz, Bewegung, Ritual. Was sich da zeigte, war eine schier grenzenlose Neugier. Vielleicht kennzeichnet dies Cherkaoui am prägnantesten: alles ausprobieren zu wollen, neue Wege zu gehen, Grenzen zu überwinden.

Und weil er eben Mathematiker hätte werden können oder Literaturwissenschaftler – er war gut in Latein, begann Französisch und Englisch zu studieren –, ist sein Denken von einer bemerkenswerten künstlerischen Weite. Nur so konnte er zu einem der wichtigsten Choreografen der Gegenwart werden. Und zu einem der erfolgverwöhntesten.

Mit seinen Stücken gastiert Cherkaoui weltweit, er heimst Preise ein, ist ein Vermittler zwischen den Welten – im April dieses Jahres verlieh ihm die UNESCO den Titel «Jeune artiste pour le dialogue interculturel entre les mondes arabe et occidental». Furchtlos saugt er die unterschiedlichsten Einflüsse in sich auf, um ...

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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Choreograf des Jahres, Seite 117
von Klaus Kieser