Choreograf des Jahres

Alexei Ratmansky

Einen «Schwanensee» von ihm hätte jedes Theater mit Kusshand genommen. Das Ballett Zürich hat ihn gekriegt: aus schriftlichen Quellen minutiös rekonstruiert und dennoch ganz und gar heutig. Derzeit bringt kein anderer Choreograf diese Zaubermischung zustande

Es ist weit nach 20 Uhr, als Alexei Ratmansky zu unserem verabredeten Gespräch in der Kantine des Opernhauses Zürich erscheint. Bis eben noch hat er sich um einen Maibaum gekümmert, der im ersten «Schwanensee»-Bild das Geburtstagsfest von Prinz Siegfried schmücken soll.

In Windeseile muss dieser Baum von den Statisten aufgerichtet werden, blitzschnell müssen sich von seiner Krone die jedem einzelnen Tänzer zugeteilten Bänder entrollen, damit keiner ohne ein buntes Band in der Hand um den Baum herumtanzt. Der Teufel steckt im Detail! Auf die Sekunde genau muss hier jeder Handgriff sitzen – man versteht gut, warum dieser Maibaum in keiner heutigen «Schwanensee»-Aufführung mehr auftaucht. Aber für Ratmansky gehört er dazu, und deshalb lässt er nicht locker: «Once more, please!»

Trotzdem scheinen die Strapazen eines Acht-Stunden-Probentages jetzt vergessen zu sein. Alexei Ratmanskys dunkle Augen blitzen durch seine Brille, als er mir ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 138
von Michael Küster

Weitere Beiträge
Die Hoffnungsträger

Christoph Böhm, geboren in Halle an der Saale, absolvierte seine Ausbildung von 1982 bis 1986 an der Fachschule für Tanz in Leipzig. Mit Beginn seiner Tanzkarriere weckte er bald einige Hoffnung – und erfüllte sie insbesondere als Erster Solist im Ballett der Oper Leipzig unter Uwe Scholz. Ab 1991 bis zu seinem Tod 2004 schuf der Choreograf für Böhm etliche...

Die Hoffnungsträger

platzt förmlich vor Energie, wenn er mit dem New York City Ballet auf der Bühne tanzt, egal ob in Balletten von George Balanchine, Peter Martins, Alexei Ratmansky oder Justin Peck. Mit seiner naturgegebenen Spannkraft, seinem biegsamen Torso und einem beachtlichen Gespür fürs richtige Atmen veredelt er die Architektur und Expressivität jeder Choreografie. Weitet...

Die Hoffnungsträger

John Neumeier hatte einst eine, die ihm bei seinen Handlungsentwürfen, etwa für «Illusionen – wie Schwanensee», sehr geholfen hat. Das Bayerische Staatsballett konnte bis eben sogar von einem Duo (w/m) profitieren, das das Profil der Tanztruppe entscheidend geprägt hat. Martin Schläpfer weiß, dass er sich selbst bei den abstraktesten Bewegungsspielereien mit seinem...