Charleroi on tour: Eric Minh Cuong Castaing «Phoenix»

Im Gazastreifen bringen Drohnen Überwachung, Bedrohung und manchmal den Tod. Der Tänzer Mumen Khalifa sitzt in seiner Wohnung vor der Webcam und erklärt dem Publikum im Theater des Ballet National de Marseille, dass er ohne das allgegenwärtige Sirren der Flugspione schwerer einschläft: «Sie sind unser Wiegenlied. Wenn man sie nicht hört, stimmt irgendetwas nicht.» Das Interview läuft live, die Internet-Verbindung nach Gaza kriselt. Aber sie hält. Khalifa wuchs in einem Lager auf, konnte es nicht einmal zum Spielen verlassen. Hatte zum Zeitvertreib nur das Internet zur Verfügung.

Und lernte Dabke, den traditionellen Tanz seines Kulturkreises, über YouTube. Heute sagt er: «Dabke ist meine Form von Widerstand.» Er tanzt ein Solo und kriegt via Skype den Applaus zugestellt, direkt vom Publikum des «Festival de Marseille». Dann folgen Bilder aus Gaza. Da springen die B-Boys der Myuz GB Crew, die auch Parkour praktizieren, durch die Betonruine eines Neubaus. Verschobene Treppen, Schutt überall. Das Werk der Bomben. Der Zugang dazu wäre bei uns gesperrt. Lebensgefahr! Doch die Parkour-Crew zelebriert hier Salti am Abgrund, anscheinend gefilmt mit einer Kopfkamera. Und immer wieder von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2018
Rubrik: Kritik 10/18, Seite 46
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Screening 10/18

Das gesprungene Wort

Das Wort hat zunächst Vaslav Nijinsky. Am Ende singt Leonard Cohen «Dance me to the end of love». Dazwischen aber ist immer wieder nachdenklich
Judith Kuckart (Foto: Laima Chencelli) zu hören. Man kennt sie als Schriftstellerin, vielfach ausgezeichnet. Dass sie als 15-Jährige einmal Pina Bausch vorgetanzt, dass sie jahrelang das TanzTheater...

Das Robbins 100 Festival

Mit zwanzig Wiederaufnahmen und zwei Uraufführungen feierte das New York City Ballet drei Wochen lang Jerome Robbins. Der 1998 verstorbene, neben George Balanchine prägende Choreograf der Kompanie wäre am 11. Oktober hundert Jahre alt geworden.  Sechs verschiedene Abende bündelten im Lincoln Center Robbins‘ Arbeiten für Ballett und Broadway, also die beiden Welten,...

Bach, casual

Der erste Auftritt gehört der Abteilung «Kulturelle Bildung». Ein junger Mann, T-Shirt und Jeans, betritt die leere Bühne und wendet ein großes Schild dem Publikum zu: «1. Konzert F-Dur». Diese Szene, die sich zum Amüsement des Premieren-Publikums in der Berliner Volksbühne vor jedem der sechs Brandenburgischen Konzerte wiederholt, lässt alle wissen, was sie hören...