Cathy Marston «Hamlet» in Gelsenkirchen

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Steckt in Hamlet ein Ödipus? Die attraktive Königin Gertrude posiert auf dem frischen Laken, während ihr der Dänenprinz entgegeneilt, den Degen symbolträchtig in der Hand. Auf dem royalen Lager ringen sie miteinander: Die Mutter hat, kaum ist der Vater unter der Erde, den mutmaßlichen Königsmörder Onkel Claudius geheiratet. Allerdings rast das verzogene Muttersöhnchen nicht vor Rach-, sondern vor Eifersucht. Die britische Choreografin Cathy Marston hat sich auf Shakespeares Tragödie ihren eigenen Reim gemacht.

«Gertrude» müsste ihr Tanzdrama für das Ballett im Revier Gelsenkirchen eigentlich heißen, nicht «Hamlet», denn sie erzählt die Ereignisse am Hof von Helsingör aus der Sicht der Königin.

Das ist erst einmal eine erfrischend neue Perspektive, lässt der Dramentext über die inneren Vorgänge Hamlets doch so viele Deutungen zu, dass T. S. Eliot das Werk als einen «künstlerischen Fehlschlag» bezeichnete: «Wir müssen etwas verstehen, was Shakespeare selbst nicht verstand.» Die Deutschen sahen in Hamlet eine sensible, intellektuelle Gestalt, die Engländer einen protestierenden Moralisten. Nichts von alledem macht Cathy Marston in ihm aus. Bei ihr ist Hamlet schlicht: Sohn – und nicht ...

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Tanz März 2017
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Bettina Trouwborst

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