carmen

Dada Masilo wurde für ihre eigenwilligen Klassikeradaptionen in den Himmel gelobt. Jetzt hat sie sich an der berühmten Femme fatale aus der Feder von Prosper Mérimée versucht – und einen Anpfiff kassiert. Zu Recht?

Ständig angefeuert, jetzt urplötzlich brutal zurückgepfiffen: So kritisch, so feindselig hatte Dada Masilo sich das Echo auf ihr zweites Turbo-Ballett nicht vorgestellt. Allerdings geht es um «Carmen», und was soll dieser heißblütige Stoff anderes auslösen als einen Orkan der Leidenschaft? Zuletzt hatte es für Masilos «Swan Lake»-Version Jubelstürme gegeben, mit dem Effekt, dass sich das Lob kaum noch steigern ließ. Also musste nun ein gegenteiliger Theaterdonner her, so sind nun mal die Gesetze der Medienwelt.

Bei der «Carmen»-Uraufführung im Maison de la Danse von Lyon zeigte sich das zahlende Publikum zwar begeistert, aber Frankreichs Kritiker blieben am Sitz kleben und veranstalteten in ihren Artikeln danach ein regelrechtes Dada-Bashing. Die Einwände lau­teten: zu simpel gestrickt, ein gefährliches Spiel mit Flamenco-Klischees, nichts als Muskelprotzerei! Man stieß sich auch an der angeblich zu plakativen Vergewaltigung Carmens durch Don José am Ende und fand das ganze Spektakel überhaupt zu kommerziell. Die Damen und Herren der schreibenden Zunft taten gerade so, als fielen sie aus allen Wolken und mitten in tiefe Gräben hinein, die sich zwischen Masilos «Swan Lake» und ihrer ...

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Tanz November 2014
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn

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