Bühnendämmerung

Seit Mitte März läuft in New Yorks Theatern nichts mehr. Tausende Beschäftigte haben über Nacht ihren Job verloren. Und jeden Tag werden es mehr. Selbst die Metropolitan Opera hat den Großteil der Belegschaft freigestellt. Auch am Broadway geht es ums nackte Überleben.

Die Katastrophe war absehbar. Ignoranz, Inkompetenz, eklatante Versäumnisse, Chaos charakterisieren das Krisenmanagement der amerikanischen Regierung, seit die ersten Sars-CoV-2-Infektionen bekannt wurden. Und Präsident Donald Trump scheint sich nach wie vor mehr um seine Wiederwahl im Herbst als um die Eindämmung einer Pandemie zu sorgen, die zwischen Washington und Seattle, Chicago und Houston Hunderttausende Menschen das Leben kosten könnte. Vor diesem Hintergrund wirken die Anstrengungen Andrew Cuomos, des Gouverneurs von New York, die Verbreitung des Virus u. a.

durch Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zu hemmen schon fast heroisch. Doch auch in New York, zu Beginn der Infektionswelle das Epizentrum der Seuche in den Vereinigten Staaten, sind geeignete Maßnahmen viel zu spät eingeleitet worden – mit der Folge, dass die Sterberate im Vergleich zu den März-Zahlen der vorausgegangenen Jahre auf ein Vierfaches angestiegen ist. 

Für die Theater, Konzerthäuser und Museen der Metropole, tragende Säulen ihrer in beträchtlichem Umfang vom Tourismus beflügelten wirtschaftlichen Prosperität, hieß das: Der Spielbetrieb musste über Nacht auf Null heruntergefahren werden. Die ...

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Tanz Juni 2020
Rubrik: Corona-Krise, Seite 18
von David Shengold und Albrecht Thiemann