brit rodemund

tritt schon zum dritten Mal in einer Retrospektive zu Anita Berber auf. Wie nähert sich die «Tänzerin des Jahres 2011» dieser berühmten Berliner Skandal-Heroine? Ist Anita Berber, die 1928 in Berlin verstorbene Künstlerin, zu einer Rolle geworden?

Brit Rodemund, von Anita Berber gibt es eher wenige Zeugnisse.
Aber es existieren Zipfel, an denen man sich festhalten kann. Wir haben uns auf den tschechischen Kritiker Joe Jencík konzentriert. Er war Tänzer und Choreograf, der die Stücke von Anita Berber so beschreiben konnte, dass man als Tänzer noch heute etwas mit seinen Formulierungen anfangen kann.

Wir haben Filme geguckt und versucht, in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg einzutauchen, in ein sehr viel dichter bevölkertes Berlin, in eine Zeit, die ihre alten Ideale an den Nagel hängte, die ihre Sitten lockerte, die nicht so sehr auf Zukunft erpicht war, die angesichts der Inflation alles Geld sofort auch wieder ausgeben musste.

Wie aktuell ist das?
Heute habe ich als Tänzerin auch nur das und das Budget. Dafür versuche ich, umso intensiver zu leben. Reich werde ich nicht, also lass mich das Leben genießen. Man lebt als Tänzer etwas mehr im Moment, nicht so sehr in der Zukunft.

War das die Einstellung von Anita Berber?
Das weiß ich nicht. Ihre Lebensweise bleibt mir eher fremd. Ich kann nur versuchen, sie nachzuempfinden. Ihre Tänze hat sie sehr frei entwickelt, aus ihrem alltäglichen Tun heraus, das ganz anders war als ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: menschen, Seite 28
von Arnd Wesemann

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