blut, schweiß und ruhm

Die École de danse der Pariser Oper ist das Modell für alle Tanzakademien: Vor 300 Jahren gegründet, hat die Kaderschmiede ein ebenso eisernes wie elitäres Regime errichtet und ist damit bis heute erfolgreich

Der Vorhang öffnet sich, schwarz gähnt die Bühne des Palais Garnier, bis irgendwo in der Tiefe des Raums ein goldener Schimmer aufflackert und über stuckierte Wände irrlichtert. Kaum hat sich das Auge an die emporzüngelnden Mauer-Flämmchen gewöhnt, tauchen aus dem Nichts kleine Füße auf, sorgsam auswärts gerichtet. Ein paar Schritte, dann zeichnen sich darüber Unterschenkel, Knie, Beine, Hüften, Bauch, Schultern, Arme und Köpfe ab – kindlich noch und doch schon ins Ätherische entrückt.

Divi-sion um Division rücken sie gegen die Rampe vor, Mädchen und Jungen, 10- bis 18-Jährige, in Marschformation gegliedert. Rechts und links vom Meridian der Bühne beziehen sie Stellung und harren derjenigen, die als Letzte aus dem blattgoldveredelten Serail des «Foyer de la danse» nach vorne streben, vom Publikum enthusiastisch beklatscht: jene Étoiles genannten Star-Solisten, die an der Pariser Oper nicht nur das Corps de ballet anführen, sondern sich regelmäßig mit den Schülern der École de danse zum «Défilé» vereinen, um die Tradition ihrer Kunst genauso wie die Macht der eigenen Institution erstrahlen zu lassen.


Der Sonnenkönig und sein Komponist

Ein Spektakel, so recht nach dem Geschmack ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
schwarzmalerei

«Wo sind die schwarzen Balletttänzer?», fragten im Herbst 2012 Olivia Goldhill und Sarah Marsh in der britischen Tageszeitung «The Guardian». Die Autorinnen, selbst weder Tanzkritikerinnen noch bislang mit einschlägigen Publikationen in Erscheinung getreten, beklagen den Umstand, dass es in großen, internationalen Ballettkompanien so wenig schwarze Tänzer gibt....

ballett-intendant: kevin o‘day

Sein Vertrag lief nur noch bis zum 8. September, dann hätte Kevin O’Day komplett neu verhandeln müssen – doch neuerdings ist der bisherige Ballettchef nun sogar Ko-Intendant des Nationaltheaters Mannheim, eines  urdeutschen Fünfspartentheaters mit immenser Tradition. 1785 hob es Friedrich Schillers skandalumwitterte «Räuber» aus der Taufe, seine Tanzgeschichte...

schwerin: Sergej Gordienko: «Coppélia»

Solange Bücher geschrieben werden und Menschen träumen, lebt auch das Ballett. Sagt im Interview Sergej Gordienko und liefert mit seinem Debüt als Ballettdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater gleich den überzeugenden Beweis. Erfahrung bringt der gebürtige Ukrainer mit: als Tänzer in Kiew, Ljubljana, Zagreb, Hannover, Ballettmeister dann in Bielefeld, Leipzig...