Blick-Einstellung

Bewegung ist die größte Herausforderung für Fotografen. In den 1920er-Jahren rückte die Tanzkunst in den Fokus von Lichtbildnern wie Hugo Erfurth, Charlotte Rudolph und Lotte Jacobi

Die Fotografie kommt dem Tanz deshalb besonders nahe, weil beide ein eindrückliches Verhältnis zur Zeit unterhalten: zu ihrem Vergehen und damit auch zum Tod. Beide Kunstformen bezeugen eine Anwesenheit von Körpern. Die Fotografie, indem sie ihre Zeitlichkeit medial übertrumpft. Die Tanzkunst, indem sie die transformierende Zone eines steten Übergangs gestaltet. Treffen beide aufeinander, so wird der herausgestellte Zeitmoment quasi zu einem Kontaktstreifen, bezeugt, dass die Körper tatsächlich hier waren. Aber gerade dieser Zeitmoment verstellt auch deren Erscheinung: augenblicklich.

__________die herausforderung

Das Aufzeichnen von Bewegungen bildet für die Fotografie schon in den allerersten Jahrzehnten ihrer Geschichte einen wichtigen medialen, technischen und ästhetischen Kulminationspunkt. Bewegte und sich bewegende Körper konfrontieren den Fotografen mit der Notwendigkeit, in den dynamischen Bewegungsablauf ein Blickfenster von herausgehobener Zeitintensität zu legen. Das bewegende Moment des bewegten Körper soll erkennbar werden. Fotogeschichtlich gelingt der Momentfotografie von Eadweard J. Muybridge (1830–1904) dabei jener Entwicklungsschritt, mit dem die ästhetischen ...

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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 30
von Sabine Huschka

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