kammerflimmern

«MatchAtria»: die ergreifenden Herzzeremonien der Tänzerin Yui Kawaguchi

Diese Tänzerin tanzt wirklich schön. Aber unwirklich. Denn der Zuschauer, obwohl er im Theater sitzt, trägt einen Kopfhörer für den ultimativen Surroundsound, trägt eine Brille für den perfekten 3D-Eindruck. Und er hält das Herz der Tänzerin in der Hand. Zumindest ist es ein sehr präzises, aus Plastilin gefertigtes Modell der menschlichen Pumpe. Yui Kawaguchi tanzt, zieht ein Stethoskop zu sich heran, hält es vor ihre Brust. In diesem Moment regen sich realistische 300 Gramm Lebensgewicht in meiner Hand, das Kunstherz pulsiert unter meinen Fingern.

Unwillkürlich umfasst man das weiche Organ fester, erschrocken. Auch der eigene Puls wird schneller.

MatchAtria Trailer : Yui Kawaguchi x Yoshimasa Ishibashi from Yui Kawaguchi on Vimeo.

Dabei halte ich doch nur eine klopfende, mit einem Kabel verbundene Beatbox fest. Oder nicht? Ich halte das Herz einer Tänzerin in Händen. Will es schützen. Möchte denken, die Tänzerin hat mir ihr Herz geschenkt. Oder auch: Yui Kawaguchi tanzt mit ganzem Herzen. Deutsche Redensarten, die im Japanischen fast genauso funktionieren. Das geschenkte, zugegeben, hier nur geliehene Herz in meiner Hand pocht sich durch eine wundersame Partitur, durch einen ...

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Tanz Februar 2015
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann