berlin: She She Pop: «Frühlingsopfer»

Warum sind wir so geworden, wie wir sind? Diese alte, kluge, böse Frage stellten die Berliner Performerinnen von She She Pop zuletzt 2010 ihren leibhaftigen Vätern. Ihre maulenden Papas spielten König Lear, der sein Bühnenreich unter den Töchtern aufteilt. Frech schlugen die Töchter das Erbe aus. Bibliotheken etwa, durch die ihre bildungsbeflissenen Väter sich hindurchgelesen haben, sie nehmen nur teuren Mietwohnungsplatz weg. So praktisch denken Töchter.

Jetzt sind ihre Mütter an der Reihe: Was erben wir von Mama? Die Antwort: ihre Opferrolle.

Bei Opfer denken wir pünktlich zum ersten Jahrestag nach den Zentenarfeiern zur Uraufführung an, natürlich: Igor Strawinskys «Le Sacre du printemps». Als bekennende Fans des Performance-Kollektivs hoffen wir ebenso natürlich: She She Pop wird auch dieses Erbe – die fiktive Vergewaltigung einer Auserwählten und erotische Bejahung der Opferrolle – einfach ausschlagen. Doch sie machen’s nicht. Die weibliche Viktimisierung, die Generationen von Müttern an Töchter (und Söhne) weiterreichten, scheint ihnen tatsächlich restlos identisch mit der weiblichen Identität an sich.

Auf vier gewaltigen Vorhängen im Berliner Hebbel am Ufer bewegen sich vier ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Arnd Wesemann

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